Frei lieben

Liebe WegbegleiterInnen,
heute möchte ich Euch einen Beitrag von Britta Kanacher zugänglich machen und Euch damit anregen über dieses Thema nachzudenken und mit mir in die Diskussion dazu zu gehen.

„Frei lieben“ von Britta Kanacher


Wäre es nicht schön, wieder einfach frei Lieben zu können?
Vielen Menschen ist die Möglichkeit frei Lieben zu können genommen. Diese Menschen haben meist eine tiefgreifende Verlusterfahrung gemacht; sei es, weil die Partnerin oder der Partner sie verlassen hat, weil sie ihren Job verloren haben oder weil anderer Verlust sie in ihrem Lebensgefühl verletzt hat. Etwas zu verlieren, woran das Herz hängt, verletzt – zum Teil sehr!
Warum ist das so? Wie kann diese Verletzung überwunden werden? Wie kann das Herz wieder für freie Liebe geöffnet werden?
Allzu viele versuchen sich vor erneuter Verletzung zu schützen, indem sie ihr Herz nicht mehr öffnen bzw. ihr Herz nicht mehr an eine Person, einen neuen Job oder an schöne Dinge im Leben hängen. Solches Verhalten erscheint auch nur logisch! Doch kann man mit solchem Verhalten glücklich leben?
Sicherlich nicht! Doch wie kann Glück dennoch möglich werden? Es gibt eine ganz einfache Formel für Glück: Die Möglichkeit zum Empfinden von Glück steigt proportional zum Verlust von Angst. Angst verhindert Glück – wo Angst fehlt, ist Glück möglich!
Jetzt werden gleich einige denken: „Aber dann ist es doch richtig, wenn ich mein Herz nicht an etwas binde, denn dann brauche ich ja keine Angst vor Verlust zu haben und kann glücklich werden!“ Falsch, denn dieses Verhalten hat seinen Grund in der permanent das Herz umschließenden Angst vor Verlust. Das Herz ist gefangen im Angstgefängnis! Angst vor dem Allein-Sein, Angst vor dem Arm-Sein, Angst vor möglichem Unglücklich-Sein usw.
Wie wird man diese Angst los? Indem man für sich die Gewissheit erarbeitet, dass all diese Ängste unnötig sind. Wie gewinnt man diese Gewissheit? Indem man sich sicher wird, ohne all das leben zu können, dessen Verlust man befürchtet. Denken Sie über Ihr Leben nach. Fragen Sie sich: Könnte ich ohne das große Auto, ohne mein Haus, ohne meinen Job, ohne meine Partnerin/meinen Partner leben? Wenn Sie sagen: „Nein, das könnte ich nicht!“ Dann fragen Sie sich: „Warum könnte ich ohne dies oder jenes nicht leben?“ Die Antwort ist meist: weil ich dann nicht mehr so existieren könnte, wie ich es tue – weil ich Existenzangst habe! Existenzangst erscheint existentiell – sie scheint die eigene Existenz massiv zu bedrohen!
Letztlich führt ausschließlich eine „Sache“ zum Ende der eigenen Existenz: der Tod! Viele Menschen schätzen den Verlust von Dingen oder Personen als existenzbedrohlich ein, obwohl die eigene Existenz letztlich nicht existenzbedrohlich bedroht ist – das führt zu übersteigerten Angstgefühlen. Kein Verlust einer Person oder eine Sache führt unweigerlich zum Tod! Sie kann zu lebensbedrohlichen Situationen führen, wenn z.B. über das Broken-Heart-Syndrom ein Herzinfarkt entsteht oder Menschen sich selbst aus Trauer so vernachlässigen, dass sie in lebensbedrohliche Situationen geraten oder sich gar selbst das Leben nehmen.
Doch warum ist das so? Weil die Menschen sich selbst und ihr eigenes Leben weniger schätzen und lieben als die Dinge, deren Verlust sie fürchten. Wer sich selbst liebt, die eigenen Stärken und Schwächen kennt und sich dennoch schätzt, dem ist die eigene Existenz wichtig – wichtiger als alles andere. Eine selbstliebende Person hat keine Angst vor Verlusten, weil sie sich gewiss ist, dass kein Verlust auf der Welt so tiefgreifend sein kann, dass die eigene Existenz hierdurch lebensbedrohlich bedroht wäre. Sie hat die Gewissheit, dass sie sich selbst genügt und diese Gewissheit öffnet das Herz, da alles ohne Angst vor Verlust mit Offenheit und Freude, ja mit Begeisterung wahrgenommen und angenommen werden kann.
Manche Menschen bezeichnen die eigene Partnerin/ den eigenen Partner als „bessere Hälfte“ – wenn dies nicht gerade ironisch gemeint ist, welche Selbsteinschätzung verbirgt sich dann dahinter? Wer der Meinung ist: „Ohne meine Partnerin/meinen Partner bin ich nur ein halber Mensch!“ hat wenig Selbstwert, wenig Selbstliebe und muss natürlich Angst vor dem Verlust der Partnerin/des Partners haben. Wer sich selbst in aufrichtiger Weise schätzt und liebt (nicht in selbstverherrlichendem Egoismus!) gewinnt die Gewissheit, dass ihr bzw. ihm ein Leben in bescheidensten Verhältnissen möglich ist und lebenswert erscheinen kann. Hierdurch entsteht Gelassenheit und Offenheit und die Freiheit all das zu lieben, was über die bescheidensten Verhältnisse hinausgeht! Letztlich ist das Urvertrauen kein Vertrauen in eine andere Person, sondern das Vertrauen in die eigene Person. Urvertrauen bezeichnet die Selbstliebe die zum Vertrauen in die Lebenstüchtigkeit der eigenen Person erwächst. Ist dieses Urvertrauen wieder gegeben ist freies Lieben wieder möglich und diese Liebe kann das Leben in ungeahntem Ausmaß bereichern!