Wo sind unsere christlichen Werte geblieben?

Familien fliehen tausende Kilometer vor Krieg und Tod. Oft verlieren sie sich auf ihrem Weg zu uns aus den Augen. Finden sie sich hier in den Erstaufnahmelagern wieder, scheint es wie ein Wunder. In meiner Nachbarschaft wohnen diese Menschen solange sie auf die Bearbeitung ihres Antrages auf Asylgewährung warten müssen.
Schaue ich ihnen in ihre Augen, sehe ich Angst. Sie haben in ihrer Heimat das Schlimmste erfahren müssen, was Menschen geschehen kann, Bedrohung mit dem Tod. Endlich bei uns angekommen, hört die Angst aber nicht einfach auf. Sie wirkt nach. Und obwohl sie glaubten, bei uns in einem freiheitlichen und demokratischen Land angekommen zu sein, verstärkt sich ihre Angst. Denn jetzt müssen sie auch Angst vor den Menschen haben, die sie hier nicht haben wollen. Angst vor Menschen, die nach vielfältigen, manchmal fadenscheinigen Gründen suchen, sie in ihre zerstörte Heimat zurück zu schicken. Dorthin zu schicken, wo sie dem Tod geweiht sind.
Ich bin davon überzeugt, dass die Menschen unserer Republik, die so etwas wollen, noch keinen einzigen Gedanken daran verschwendet haben, wie es wohl den Asylsuchenden dabei ergeht. Es sind leider nur wenige, die versuchen, sich in diese Lage zu versetzen. Es ist viel einfacher, mit der Masse mit zu laufen und Ausländer raus zu rufen. Es tut mir sehr leid, aber an dieser Stelle drängt sich mir eine Frage auf, die wehtut, vielleicht auch Empörung hervorruft. Wie war das damals mit Hitler und den Juden? Haben wir alles vergessen? Soll sich unsere Geschichte etwa wiederholen?
Die aktuellen Ereignisse vom Silvestertag machen uns Angst. Ja, diese Angst erwächst auch zu Recht. Ich frage aber, wieso erwächst diese Angst ausgerechnet vor Menschen arabischer Herkunft? Für viele ist es die einfachste Antwort, weil deren Kultur fremd ist.
An dieser Stelle muss ich Euch etwas erzählen, was ich hier in Magdeburg immer wieder erlebe. Ich sehe die syrischen Familien jeden Tag mit ihrem Schreibzeug unter dem Arm auf dem Weg zum Deutschunterricht. Ich sehe die syrischen Familien, wie sie das Umfeld ihres Wohnblockes regelmäßig säubern, die Außenanlagen pflegen. Ich sehe auch die syrischen Familienväter, wie sie liebevoll und fürsorglich mit ihren Frauen und Kindern umgehen.
Ich habe unter ihnen noch nie gehört „Frau is nix wert“. Ich bin aber auch nicht so naiv, dass ich nicht wüsste, dass in manchen arabischen Ländern eine solche Einstellung Kulturbedingt verbreitet ist. Aber ich weiß auch, dass es dies nicht nur im arabischen Raum gibt, sondern auch in allen anderen Kulturen in dieser Welt! Ja, sogar auch bei uns in Deutschland! Sicher nicht so verbreitet, aber es gibt sie. Oder was meint Ihr, warum Frauen hier um ihre Gleichberechtigung kämpfen müssen? Warum müssen wohl gleichgeschlechtlich liebende Menschen um die gleichen Rechte kämpfen, wie sie den Heterosexuellen zu stehen?
Jetzt alle Ausländer über einen Kamm zu scheren, ist der falsche Weg! Wir sollten aufpassen, was und wen wir verurteilen. Die Massenflucht des syrischen Volkes haben definitiv Terroristen und auch Wirtschaftsflüchtlinge genutzt, mit falschen Papieren zu uns zu kommen. Und genau diejenigen, die nur zu uns gekommen sind um in mehr Wohlstand zu leben, sind auch diejenigen, die sich hier nicht unterordnen wollen oder können. Sie haben keine Angst, von uns abgeschoben zu werden. Ihnen droht nämlich in ihrer Heimat nämlich nicht der Tod. Und ja, auch sie brauchen unsere Hilfe. Aber dies sollte Hilfe zur Selbsthilfe in ihrer Heimat sein.

Schützen müssen wir diejenigen, die vor Krieg und Tod geflohen sind! Dies sollte sich jeder mal vor Augen halten und dann prüfen, ob sein Handeln und Tun unseren christlichen Werten entspricht.