Die Welt schreit nach Gerechtigkeit

Karfreitag, zwei Tage vor dem Osterfest, blickt die christliche Welt auf den Tod Jesu Christi.
 

Ich sehe mir den Fernsehgottesdienst aus der Mannheimer Citykirche Konkordien an. Ich weiß, es wird der Alltag von Menschen Thema sein, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Dieses Thema interessiert mich.
 

Ich höre, dass es darum geht, spüren zu lassen, was wichtig ist: Das Leben zu teilen mit Flüchtlingen und Armen, mit psychisch Kranken, Hilfe in der Not zu gewähren, miteinander zu sprechen und nicht nur übereinander, aufeinander zu hören und eine Not nicht gegen die andere auszuspielen.
 

Ich bin von Hoffnung getragen. Die Pfarrerin Ilka Sobottke sagt: „Gott selbst stellt sich mit seinem Leiden und Sterben an die Seite der Leidenden in dieser Welt und sucht so Versöhnung zu ermöglichen inmitten der Todesmächte aus Hass und Gewalt und Lebensverachtung“
 

Doch dann geschieht das für mich unfassbare. Betroffene aus Mannheim stehen auf und berichten von dem Hass und der Gewalt, die Ihnen in Deutschland entgegenschlägt. Sie klagen Gott an. Da sind Mustafa Mawlood, der aus dem Irak flüchtete, weil er für westliche Botschaften arbeitete und deswegen verfolgt wurde; Shavgar Murad, der seine Eltern und Geschwister aus Syrien nach Mannheim rettete, weil sie daheim bei den ständigen Bombenangriffen alles verloren hatten; die in Deutschland geborene und aufgewachsene Islamwissenschaftlerin Bahar Yeniocak, die sich im interreligiösen Diskurs und in der Flüchtlingshilfe engagiert; die ehemalige Bundestagsabgeordnete Dr. Konstanze Wegner, die die stetig steigende Armut in Deutschland beklagt sowie Melissa Nonnenmacher, die regelmäßig in die Vesperkirche geht und sich auch als selbst Betroffene im Bereich derer engagiert, die mit Psychiatrieerfahrungen leben.
 

Jeder einzelne Bericht klagt Gott an und mir schießen immer wieder die Tränen in die Augen. Von Bericht zu Bericht wird es immer schlimmer. Ich bin unendlich traurig und frage mich, wo ist meine Hoffnung geblieben, die ich vor wenigen Minuten noch hatte.
 

Unser Leiden ist nicht Ursache der vielen Fremden, die bei uns Schutz suchen. Mir wird klar, dass wir leiden, weil die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird. Das Herr der Armen und von der Gesellschaft ausgegrenzten Menschen wird immer größer und rückt immer dichter an uns heran. Wir fühlen uns ohnmächtig gegenüber den Mächtigen dieser Welt. Sie kennen keine Gerechtigkeit, sie kennen nur ihre eigenen Vorteile. Und dafür stürzen sie Millionen Menschen in den Tod und unendliches Leid. Damit muss endlich Schluss sein. Nur Tränen zu vergießen, über die schlimmen Schicksale hilft nicht daran etwas zu ändern. Wir müssen aufstehen und die Missstände anklagen. Millionen Stimmen müssen nach Gerechtigkeit schreien, sie einfordern. Nur dann wird das Leid ein Ende finden.

Was macht die Leipziger Buchmesse 2016 mit mir?


Nun, zunächst rein äußerlich betrachtet, haben mich die Messetage an meine physische Grenze geführt. Ehrlich gesagt, ohne die vorherige Zusammenstellung meines ganz persönlichen Programms, hätte ich mich im dichten Gedränge der 5 Messehallen wahrscheinlich verloren. Doch ich hatte mir ja ein Ziel gesetzt.

Ich bin auf der Suche nach Antworten auf die Fragen, die mir das Leben stellt, nach Inspirationen, nach Geschichten, die Menschen erleben und bewegen.

Verändern sich die Lebensumstände der Männer? Stellt Ihnen das Leben heute andere Aufgaben als früher und kommen sie damit klar? Sind sie hinsichtlich ihrer Probleme verschwiegen oder warum ist der Anteil der Frauen in psychotherapeutischer Behandlung größer als der der Männer. Anregungen dazu fand ich schon am ersten Tag bei Dasa Szekely (Das Schweigen der Männer).
 

Und wie gehen Männer mit ihren Ängsten um? Gibt es auch hier Unterschiede zwischen Mann und Frau? Welche Ängste bewegen die Menschen heute? Dazu hielt ebenfalls der erste Tag ein interessantes Gespräch mit Michael Kegler bereit (Die Installation der Angst von Rui Zink).

Angst als Machtmittel in der heutigen Gesellschaftsordnung? Wovor habe ich Angst? Der Terrorismus in der Welt macht mir Angst, der mögliche Zusammenbruch der Finanzmärkte. Was wird mir die Zukunft bringen? Sind die Regierungen dieser Welt überhaupt noch am Wohl des Einzelnen und der Völker interessiert? Ich habe immer öfter den Eindruck, dass es nur noch um den eigenen Machterhalt geht. Es findet in zunehmenden Maße ein Verteilungskampf statt. Kann ich dem entgehen? Gibt es Alternativen, für die es lohnt, sich einzusetzen? 

Die von Sahra Wagenknecht (Reichtum ohne Gier) im Autorengespräch mit dem ZDF vorgestellten Ideen, könnten eine Lösung sein. Nur derartige Lösungen lassen sich nicht so schnell umsetzen. Gebe ich deswegen aber gleich auf und sage, die da oben machen sowieso was sie wollen. 


Oberst a.D. Reiner Buske hat mir in seinem Gespräch über das Buch „Kunduz“ Mut gemacht, nicht alles so einfach hinzunehmen. Dinge, die ich für falsch erachte, muss ich auch unbedingt aussprechen. Und ja, manchmal ernte ich dabei viel Gegenwind, handele mir Ärger ein, aber ich bleibe mir selbst treu und verbiege mich nicht, um den mächtigen dieser Welt zu gefallen.

All das bereitet mir aber auch Stress und Druck. Manche Nacht finde ich nicht zur Ruhe, schlafe schlecht. Warum ist das so und kann ich daran etwas ändern? Antworten, Anregungen und Erklärungen über Zusammenhänge fand ich bei dem Vortrag von Dr. Hans-Günter Weeß. 

Er ist einer der führenden Forscher in der Schlafmedizin und stellte sein Buch „Die schlaflose Gesellschaft“ vor. Und da ich ja auch zu den Menschen gehöre, die insbesondere Abends über so vieles ins Grübeln kommen, hat die gleich anschließend stattgefundene Buchpräsentation von Dr.Tobias Teismann (Grübeln- Wie Denkschleifen entstehen und wie man sie löst) die Sache abgerundet. 

Beide Autoren haben es hervorragend verstanden, komplizierte Zusammenhänge im Denken und Handeln, mit einfachen Worten für jeden verständlich darzustellen. Sie haben die Zuhörer mit ihrer Art regelrecht gefesselt. Ein tolles Erlebnis.

Ich bin auch fest davon überzeugt, dass meine Herkunft, meine Lebensbiografie einen entscheidenden Anteil daran hat, wie ich Stress und Leistungsdruck erlebe, welche Ängste in mir stecken, mich teilweise im Leben behindern. Mit Matthias Lohre durfte ich einen Menschen kennen lernen, der das genauso denkt und den Mut gefunden hat seine Geschichte, wie die seiner Eltern aufzuschreiben (Das Erbe der Kriegsenkel – Was das Schweigen der Eltern mit uns macht).

Manch einer mag bei diesem Zusammenhang eine Schuldzuweisung an die Eltern verstehen. Ich nicht! Und ich fand mich in dem Gespräch mit der Philosophin Svenja Flaßpöhler (Verzeihen – vom Umgang mit Schuld) bestätigt. 

Diese Veranstaltung hat mich sehr tiefschürfend ins Nachdenken gebracht. Ja, das banale alltägliche „Verzeihen“ ist eher eine Floskel ohne größere Bedeutung. Aber wann kann mir jemand verzeihen? Nur das Unverzeihbare kann verziehen werden. Ein vermeintlicher Trugschluss in sich? Nein, es kann mir aber nur verziehen werden, wenn es nach Verzeihung ruft. Dazu ist eine besonders schwere Schuld von nöten. Erst dann kann mir jemand verzeihen, indem er nämlich „auf Vergeltung verzichtet“. Verzeihung bedeutet nämlich solch einen Verzicht zu üben. Und daraus folgt, dass niemand sich selbst verzeihen kann.

Viele interessante und spannende Fragen aus dem Leben, die mir da begegneten. Und was mache ich nun mit den Antworten, Anregungen und Ideen, die ich gewinnen konnte? Für mich ist es völlig klar. Das sind meine Botschaften, die ich Euch mitteilen möchte, verpackt in Geschichten und Erzählungen, die ich aufschreibe. Diese dann aber auch gut anzubringen, dazu bedarf es eines erfolgreichen Selbstmarketings.

Tipps und Ideen habe ich mir dazu geholt von Wibke Ladwig, Social Web Rangerin, von Eva-Maria Holzmair von neobooks zum Thema Metadaten und SEO (Suchmaschinenoptimierung im Internet) und von Thorsten Simon (BoD) zur Pressearbeit. Wie ich dabei das soziale Netzwerk für Literatur log.os nutzen kann, erfuhr ich von Tea Herovic, wie ich meine Lesungen besser gestalten kann, von Sewastos Sampsounis (Größenwahn Verlag).

Und dann war da noch das sehr erfrischende und vor Elan sprühende Gespräch der Erfolgsautorin Nina George (Das Traumbuch) mit Anke Gasch über Internetpiraterie und Möglichkeiten dies zu minimieren.

Ihr habt bemerkt, für mich war es eine rundum erfolgreiche und interessante Buchmesse 2016. 

 Christian Linker gibt mit seinem Buch „Dshihad Calling“ einen Einblick in die Faszination junger Menschen für den IS

“ #regretting motherhood – Wenn Mütter bereuen “ Die israelische Soziologin Orna Donath greift die Frage auf, ob Frauen aus einer gesellschaftlichen und moralischen Verpflichtung heraus Kinder zur Welt bringen, aber diese Geburt eigentlich bereuen. Mit ihrem Buch  löst sie weltweit eine Debatte aus.

Heute mal ein Buchtip

„Zlatans Erbe“   von Dana Müller

Aus dem Buch:

„In der Finsternis ein Licht, ein winziger Funke, der stetig an Größe gewinnt. Ein Hoffnungsschimmer, dessen Wärme mich umgibt. Ich strecke meine Hand nach ihm aus, versuche ihn zu greifen, aber er ist zu weit weg, wie ein Stern, dessen Leuchten mich erfüllt. Er wird größer und sein heller Schein brennt auf meiner Haut, kriecht in mich hinein und jagt durch meinen Körper, wie heiße Lava, die mich von innen heraus verbrennt.“

Ein schwarzer Tag für Europa


>> (m)ein Stimmungsbericht zum heutigen Tage <<   
Tausende Flüchtlinge sitzen unter freiem Himmel auf freiem Feld fest. Die sogenannte Balkanroute ist von den Ländern abgeriegelt worden, über deren Territorium die Route führte.
Wieder einmal zeigt die politische Führung Europas, dass sie nicht im Stande ist, vernünftige und schnelle Lösungen im Sinne einer humanitären Lösung zu schaffen. Im Gegenteil, sie sind meiner Auffassung nach, auch Schuld daran, dass immer größere Teile der Bevölkerung in Europa Angst vor den Flüchtlingen, Angst vor den Folgen einer massenhaften Aufnahme und vor allem Angst um das eigene Wohl haben.
Ich finde es beschämend, was sich hier in Europa im Moment abspielt. Es ist eine menschenunwürdige Politik, die immer mehr Tote fordern wird. Auf dem Krisengipfel am 7.März in Brüssel hat im Vertragsentwurf noch die Absichtserklärung gestanden, dass die Europäischen Staaten einer Schließung der Balkanroute zustimmen. Diese Zustimmung ist ganz bewusst aus dem Entwurf gestrichen worden, weil weitsichtige Politiker erkannt hatten, was das für fatale Folgen hätte.
Und was machen die Länder an der Route, auch die Mitgliedsstaaten der EU? Sie schließen in Panik ihre nationalen Grenzen. In meinen Augen ist nun ein anarchistisches Chaos in Europa losgetreten worden. Die Nationalstaaten handeln nach dem Motto, ist mir doch egal, ob die da in Brüssel etwas entscheiden oder nicht. Ich mache das, was ich für richtig halte. Ein solidarischer Blick über den besagten Tellerrand? – Fehlanzeige!     Gemeinsame europäische Wertevorstellungen?  – Fehlanzeige!
So liefern wir eine Steilvorlage nach der Anderen, nicht nur für rechte Kräfte im eigenen Land, sondern auch für den IS. Wenn wir es jeder Einzelne von uns nicht schaffen sollten, lautstark für unsere moralischen Wertevorstellungen einzustehen und zu kämpfen, braucht sich keiner wundern, dass Gewalt und Terror immer mehr um sich greifen.
Erheben wir gemeinsam unsere Stimmen für eine friedliebende humanitäre Welt. Dazu gehört auch, dass endlich Schluss sein muss mit deutschen / europäischen Waffenlieferungen in Kriegsgebiete. Diese Waffen zerstören die Heimat der arabischen Völker. Diesen Menschen bleibt am Ende nichts weiter, als aus ihrer zerstörten Heimat zu fliehen. Denn ein Wiederaufbau ist erst möglich, wenn dort nicht immer und immer wieder unsere Bomben Tod und Zerstörung abwerfen.